Aktuelles

Jahreshauptversammlung

Am 01.03.2019 um 19:30 findet die Jahreshauptversammlung im Lindenhof Borgstedt statt.

[mehr]


Vereinsgeschichte

Der Verein wurde 1921 gegründet, blickt also auf eine fast 90-jährige Geschichte zurück.

Mitglied ist der RuFV Borgstedt u.Umg. beim Kreissportverband RD-ECK und beim Kreisreiterbund RD-ECK. Darüber hinaus gehört er dem Pferdesportverband Schleswig-Holstein (Bad Segeberg) sowie der Deutschen Reiterlichen Vereinigung eV. (Warendorf) an.

Zur Zeit zählt der Verein etwa 200 Mitglieder.

Wesentliche Schwerpunkte der Vereinsarbeit sind: die Förderung der Jugend sowie die Ausbildung des Pferdes für: Freizeit-, Breiten- und Leistungssport aller Disziplinen unter dem Aspekt der artgerechten Pferdehaltung im Sinne des Tierschutzgesetzes.

Über Winter: Montagabends Unterrichtsstunden Dressur und Springen für Vereinsmitglieder in der Halle der Reitsportanlage Borgstedtfelde.

Über Sommer auf dem Vereinsgelände auf der Reitsportanlage Borgstedtfelde: Unterricht, Lehrgänge, tägliches Training.

Turniere finden jährlich statt zu Beginn der grünen Saison (1.Mai), in früheren Jahren zu Pfingsten.

Unser erst 2008 verstorbenes Ehrenmitglied, Hans Lange erinnerte sich bei den Ehrungen zu seinem 90. Geburtstag lebhaft:

Im Okt.1948 Rückkehr aus der Gefangenschaft, ab Dez. 1948 Mitglied des Vereins. Damaliger 1.Vorsitz.: Herr Messer aus Steinrade. Herr Lange übernahm sogleich die Reitausbildung der Vereinskameraden: ³1. Gruppe vormittags bei Herrn Messer (Kaffeetrinken) in Steinrade, mittags die 2. Gruppe bei Fam. Schwenk (Mittagessen) in Holzbunge, 3. Gruppe (und wieder Kaffetrinken) bei Bauer Plöhn in Rickert.ã So pendelte er per Fahrrad hin und her. Im Sommer ging«s an Wochenenden zum Turnier z.b. nach Nutteln oder Waabs. Einen Tag vorher brach er zusammen mit anderen vom Betrieb Ehlers in Borgstedt auf mit Kutschengespannen, Turnierpferden und Handpferden. Man legte also den Weg zu Fuß (die Pferde) und nicht wie heute per PKW und Anhänger oder per LKW zurück. Die Ehefrauen folgten am nächsten Tag, dem Turniertag, mit dem Zug. So erfuhr einmal die Ehefrau von Herrn Lange schon auf dem Weg dorthin, dass ihr Mann in Nutteln das erste Springen am selben Morgen gewonnen hatte. Am Turnierabend wurde kräftig gefeiert, erst am nächsten Tag ging`s zurück.

Der Verein hatte damals viele Gespannfahrer, die zumeist Kaltblutpferde hatten.Einen Hugo Simon o.ä. hat der Verein (noch) nicht hervorgebracht.
An einen sehr guten Reiter erinnert sich Herr Lange: Werner Drews - auf seinem letzten Turnier absolvierte dieser einen Nullfehler-Ritt im Springen, stieg vom Pferd und war tot.

 

Liste der Vorsitzenden in zeitlicher Reihenfolge

Claudius Messer, Steinrade    1950 - danach Ehrenvorsitzender

Hinrich Gosch, Rickert    1950 - 1958 - danach Ehrenvorsitzender

Franz Bielfeldt, Lehmbek    1958 - 1973 - danach Ehrenvorsitzender

Werner Drews, Büdelsdorf    1973 - 1979

Hans Klaus Ehlers, Borgstedt    1979 - 1995 - danach Ehrenvorsitzender

Peter Domenus, Borgstedt    1995 - 1999

Heiner Lott, Bredenbek    1999 - 2002

Andreas Ramm, Westerrönfeld    2002 - 2005

Timo Zenke, Büdelsdorf    2005 -

Benjamin Bollmus, Büdelsdorf  - 2016

Jessica Golke, Büdelsdorf    seit 2016

 

Ehrenmitgliedschaft (mind. 40 Jahre Vereinszugehörigkeit) für:

Franz Bielfeldt, Lehmbek

Claus Bielfeldt, Ascheffel

Kurt Thomsen, Rader Insel

Willi Lensch, Diekshof

Klaus Kuhr, Hegenholz

 

Die nachfolgenden Vereinsdaten wurden von dem langjährigen Vereinsmitglied, Herrn Otto Kulp aus Borgstedt, in über 30jähriger Sammelarbeit zusammen- getragen. Ihm ist es zu verdanken, dass überhaupt die Anfänge der Vereinsge- schichte skizziert werden können.
Herr Johannes A. Witt, Sieseby, hat diese Daten ausgewertet und redaktionell ergänzt.
Für diese großartige Leistung ein Herzliches Dankeschön an alle beide!

Allgemeines zur Geschichte des Pferdesports  

Schaut man heute einem Reiter bei einem Turnier zu, wie er seine Lanze im Anschlag in gestrecktem Galopp auf sein Ziel zureitet, den Ring fest im Blick, dann erkennt man den Ursprung der Reiterei, nämlich den Kampf.

War in den vergangenen Jahrhunderten die Reiterei eine von den Gegnern gefürchtete Kampftruppe, so zeigt sie sich in der Gegenwart zwar immer noch kämpferisch, aber ausschließlich sportlich.

Das kämpferische wie das sportliche Element des Reitsports waren Grundlage der Turniere des Mittelalters. Dort prallten die gepanzerten Reiter in gefechtsmäßiger Ausrüstung aufeinander, mit einem winzigen aber entscheidendem Unterschied zum Gefecht, die Lanze war im Turnier stumpf ö im Kriegsfall spitz. Übung und Geschick entschieden hier wie dort über seinen Ausgang.

Kriegsfall: Die Harden, in vergangenen Jahrhunderten ein Verwaltungs- wie auch Wehrbezirk in unserem Gebiet, mussten im Kriegsfall Ross, Reiter mit Rüstung sowie Fußvolk in einer festgelegten Zahl stellen. Von daher war es selbstverständlich, dass sich jeder Kriegspflichtige für diesen Einsatz so gut wie möglich vorbereitete. Schließlich wollte jeder den Kampf überleben: Und von daher fand das Überlebenstraining für den Ernstfall für Pferd und Reiter in dem bäuerlichen Reitsport seinen sichtbaren Ausdruck. Hinzu kam die Jagd als eine Besonderheit dieser Übung, die allerdings war in der Regel der Obrigkeit vorbehalten.

Polo, heute eine Sportart für Minderheiten, setzt besonders hohe Ansprüche an die Wendigkeit und Schnelligkeit der Pferde voraus. Das aber waren Leistungsmerkmale der Kavallerie, von denen der Ausgang des Säbelkampfes Reiter gegen Reiter abhing.

Die Kavallerie behielt bis zum Ende des Ersten Weltkrieges ihren hohen Stellenwert als Kampfverband und dominierte lange Zeit auch den zivilen Reitsport.

Von diesen Wurzeln ausgehend blickt die Reiterei auf eine lange Tradition zurück, allerdings geriet ihre militärische Komponente auf dem Weg in die Gegenwart mehr und mehr aus dem Blickfeld der allgemeinen wie auch der militärischen Aufmerksamkeit. Nur noch in der Military, einer besonders schweren Leistungsprüfung, lebt ein Relikt aus vergangenen Zeiten in seiner ursprünglichen Bedeutung heute noch fort.
Somit können die reitsportlichen Aktivitäten im ländlichen Raum auf eine lange Tradition verweisen.
Der Reitsport behielt über die Jahrhunderte auch ohne formale Vereinsgründung seine ungebrochene Tradition im ländlichen Raum.

Seit dem Ende des 16.Jahrhunderts war das Ringreiten zunächst bei den gesellschaftlich führenden Schichten beliebt. Aber schon im 17. Jahrhundert wurde es zum Volkssport in Landschaften eines wohlhabenden Bauerntums.

Ringreiten und damit Ringreitervereine oder dörfliche Zusammenschlüsse von Bauern und Knechten gibt es nachweislich im Herzogtum Schleswig und im westlichen Holstein seit dem 17.Jahrhundert (Heimatbuch 2001 Johann Kempe). Veranstalter der Reiterspiele waren Bauern und Knechte eines Dorfes und seiner näheren Umgebung.

Die Reiterspiele mussten damals (ansonsten bei hoher Strafe) von der Obrigkeit genehmigt werden. Das führte oft zu Schwierigkeiten zwischen Bauern und Obrigkeit, weil die Bauern sich auf ihre Tradition und die Freiheit der Bauern beriefen.

Das Ringreiten wurde schon damals mit Umzügen, Musik, gutem Essen und reichlich Bier gefeiert. Die Pferde wurden zu diesem Anlass herausgeputzt und die Reiter erschienen festlich gekleidet.

Vorgeschichte des Reit- und Fahrvereins Borgstedt und Umgebung  

1848 wirbt der Gastwirt J. Lensch aus Borgstedt in der Zeitung (Rendsburger Wochenblatt Nr. 59 vom 08.10.) um Beteiligung am Scheibenschießen und Ringreiten. Es geht dabei um 20 fette Enten.

1874 lädt Lensch am Montagnachmittag, den zweiten Ostertag, diesmal ausschließlich zum Ringreiten ein (Rendsburger Wochenblatt Nr. 26 vom 01.04.). Dem Sieger winkt als Preis eine schwedische Egge.

Die Vereinsgründung des Reit- und Fahrvereins Borgstedt und Umgebung 1921 erfolgte in einer Zeit, in der sich viele Bürger in unterschiedlichen Vereinen, mit Vereinsstatut, zusammenschlossen.

Vereinschronik

Erläuterungen der Kürzel:

JHV = Jahreshauptversammlung          VA = Veranstaltung                             RB = Reiterbund         

TN = Teilnehmer                                 PLS = Pferdeleistungsschau                 EP = Ehrenpreis          

NS = Nennungsschluss                        NN = Anzahl Nennungen

Bedeutung der unterschiedlichen Schriftarten:

Zeitungsartikel                                     Protokoll-Zitate

 Da die Chronik des Vereins (1921 ö 1954) durch Feuer vernichtet wurde, lassen sich für diesen Zeitabschnitt nur indirekte Belege für die Vereinsaktivitäten finden.  

1921: Gründung durch 6 junge Männer (20-25Jahre alt): Franz Bielfeld, Lehmbek; (Zwillingsbruder) Claus Bielfeldt, Tetenhusen, später Ascheffel; Hinrich Gosch, Rickert; Claudius Messer, Steinrade; Claus Kuhr, Hegenholz; Kurt Thomsen, Rader Insel (verst.1982).

Weitere Mitglieder: Willi Lensch, Diekshof

1923: Das Rendsburger Tageblatt Nr. 129 vom 07.06. berichtet vom bereits 3. Ringreiterfest in Borgstedt. Das Blatt schreibt:

Am Anfang feierte der Ringreiterverein von Borgstedt und Umgebung sein diesjähriges 3. Ringreiterfest, verbunden mit einem Fahrturnier. Trotz der nicht gerade günstigen Witterung war die Beteiligung äußerst rege. Das Ringreiten, an dem sich 20 junge Leute beteiligten, nahm um ¸ 2 Uhr auf der Koppel des Gastwirts J. H. Lensch seinen Anfang, wo die Kruseâsche Kapelle aus Rendsburg konzertierte. Nach 1 ¸ stündigem Reiten erlangte Claus Bielfeldt jun., Lehmbek die Königswürde. Den 2. Preis erhielt Johs. Drews, Rickert, den 3. Preis Claus Kuhr, Mohr. Der Feldführer Drews führte die Reiterabteilung, mit Musik voran, nach der Festkoppel, wo das Fahrturnier stattfand. Er hielt eine Ansprache und brachte ein Hoch auf den neuen König aus.  Unter ganz besonders guter Beteiligung begann dann um ¸ 3 Uhr das Schönfahren. Das Turnier wurde in 3 Klassen von 19 Gespannen ausgetragen. Zu Preisrichtern waren die Herren Hofbesitzer Joh. P. Messer, Bünsdorf, Hans Haß, Bistensee und Claus Peters, Lehmbek, ernannt. Es war für die Preisrichter nicht leicht in Anbetracht des erstklassigen Materials, und der Anspannung, der Aufgabe gerecht zu werden. Zuerst wurde mit dem Schönheitsfahren der 6 Gespanne der Kaltblut-Zweispänner begonnen. Es waren hier 3 wertvolle Ehrenpreise ausgesetzt:

1.        Siegerpreis Claus Bielfeldt, Lehmbek,

2.        Preis Wilhelm Lensch, Diekshof,

3.        Preis Hans Naeve, Borgstedtfelde.

Im Schönheitsfahren für Warmblut-Einspänner, an dem sich 5 Gespanne beteiligten, erlangte den

1.        Siegerpreis Hans Naeve, Borgstedtfelde,

2.        Preis Jakob Lensch, Borgstedtfelde,

3.        Preis Hans Jeß, Mohr.

Den besten Eindruck machten die 8 Gespanne der Kaltblut-Einspänner. Hierbei erhielt den

1.        Siegerpreis Hans Gosch, Rickert,

2.        Preis Jürgen H. Lensch, Borgstedt,

3.        Preis Wilhelm Lensch, Diekshof,

4.        Preis Claus Kuhr, Mohr.

Den Schluß bildete ein Ponywettrennen, bei dem der erst 8 Jahre alte Joh.Lensch aus Borgstedt auf einem dreijährigen Pony als Sieger durchs Ziel ging. Den 2. Preis erhielt Hans Lensch, Borgstedt, den 3. Preis Alfred Greve, Duvenstedt.

Abends war ein Tanzkränzchen in der Gastwirtschaft J.H.Lensch, wo die Preise verteilt wurden.  

1927 berichtet das Rendsburger Tageblatt Nr. 124 vom 29.05. folgendes:

Ein Geschenk von Hindenburg

Für das diesjährige Reit- und Fahrturnier am Sonntag, den 5. Juni, hat der Reichspräsident von Hindenburg dem hiesigen Reitverein (Borgstedt) sein Bild geschenkt mit eigenhändiger Unterschrift als Ehrenpreis für das Hindenburg-Jagdspringen. Gleichzeitig wünscht er der Veranstaltung einen guten Verlauf.

In einem weiteren Bericht des Rendsburger Tageblatts Nr. 133 vom 10.06.1927 über den Reit- und Fahrverein Borgstedt heißt es, dass der Sieger des Hindenburg-Jagdspringens Claus Bielfeldt sei und der Ehrenpreis dem Sieger vom Reichspräsidenten von Hindenburg gestiftet worden sei.

1931: Zeitungsartikel: Rendsburger Tageblatt vom 21.11.: Aus dem Kreis Eckernförde Borgstedt, 26.Nov. Eine Fuchsschwanz-Reitjagd veranstaltet der Reiterverein Borgstedt am kommenden Sonntag. Der geeignetste Aufstellungsplatz für Zuschauer ist beim Hohenort an der Borgstedter Enge. Nachdem die früher so beliebten Standortreitjagden der Garnison Rendsburg nicht mehr stattfinden, ist es zu begrüßen, dass die ländlichen Reitervereine Ersatz dafür bieten. Dem interessierten Publikum ist dadurch Gelegenheit gegeben, auch in Zukunft dem Reitsport beiwohnen zu können. Gutes Pferdematerial und die gründliche Ausbildung der Reiter des hiesigen Reitervereins lassen einen interessanten Verlauf der Veranstaltung erwarten. Die Teilnehmer versammeln sich um ¸ 2 Uhr nachm. bei der Gastwirtschaft von J.H.Lensch in Borgstedt.

1938: Zeitungsartikel: Rendsburger Tageblatt Nr.46 vom 24.02.: Fuchsjagd des Reitervereins Der hiesige Reiterverein hatte seine Mitglieder am Sonntag zu einer Fuchsjagd eingeladen. Gegen 1 Uhr versammelten sich hier die zahlreichen Teilnehmer und hörten vor der Fuchsjagd gemeinsam die Übertragung der Führerrede. Anschließend führte der gemeinsame Ausritt der Reiter auf einer abgesteckten Bahn am Kanal entlang nach Schirnau. Hier fand auf einer großen Weidekoppel des Gutes Schirnau, die der Besitzer freundlichst zur Verfügung gestellt hatte, die eigentliche Fuchsjagd statt. Der ³Fuchsã, der Sieger der vorjährigen Fuchsjagd, Haß ö Bistensee, machte es seinen Reiterkameraden nicht leicht und wusste durch geschickte Wenden seinen Verfolgern immer wieder auszuweichen. Nach einer aufregenden Jagd gelang es dann dem Reiter Erwin Sievers ö Rickert, den heiß umkämpften Fuchsschwanz zu erhaschen. Damit hatte die Fuchsjagd ihr Ende gefunden. In der Ströhschen Gastwirtschaft in Schirnau versammelten sich anschließend die Reiter und ihre Angehörigen und vielen Freunden des Reitsports zu einer gemeinsamen Kaffeetafel. Als Anerkennung wurde dem Sieger der Fuchsjagd ein Bild überreicht.

1939: Zeitungsartikel: Rendsburger Tageblatt Nr.124 vom 31.05.:

Reitturnier in Borgstedt Borgstedt 30.5. Der Reiterverein von Borgstedt und Umgebung veranstaltet am 1.Pfingsttag in Borgstedt sein 19. Reitturnier. Zahlreiche Zuschauer aus nah und fern, die Borgstedt als Ziel ihres Pfingstausfluges gewählt hatten, verfolgten auf dem Festplatz bei Lensch`s Gasthof mit Interesse dem Verlauf der einzelnen Wettkämpfe. Klaus Plöhn-Dudden (Rickert) errang damit die Königswürde. Beim Lanzenreiten siegte Heinrich Scheer-Mohr und beim Geschicklichkeitsreiten konnte H.Haß ö Bistensee den ersten Preis erringen.

Das 19. Turnier im Jahre 1939 umfasste bereits Ringreiten, Lanzenreiten und Geschicklichkeitsreiten. Es sollte vorerst das letzte bleiben, denn während der Kriegsjahre ruhte das Vereinsleben, so Peter Rohwer, Rickert.

1940 ö 1946     Keine Aktivitäten / Veranstaltungen

Erst im beginnenden Frühjahr 1947 regte sich die reitersportliche Tradition in der Umgebung wieder und begann mit dem, was Krieg und Arbeit übriggelassen hatten: Wuchtige Ackerpferde, Hannoveraner, Holsteiner und dazwischen schlanke Trakehner, so vielgestaltig wie die Bevölkerung damals auch, aber geeint durch die Freude am Reiten und Zuschauen. Wer mit Pferden arbeitete, mit ihnen zu tun hatte, konnte an dem Fest, dem Ringreiten, teilnehmen.

Eine stattliche Reiterschar aus den umliegenden Dörfern in Lehmbek zog festlich gekleidet hoch zu Ross hinter einer Blaskapelle durch das Dorf, vorbei am Spalier der Bewohner und Gäste, weiter auf eine dorfnahe Festkoppel, Franz Bielfeldâs Koppel in Lehmbek.

Da standen sie: die Pferde mit glänzendem Fell, gepflegter Mähne und Schweif, das Zaumzeug  schimmerte in mattem Schwarz, selbst die Hufe der breitesten Ackerpferde waren gewienert. Vor ihnen stand ein girlandengeschmücktes Stangenviereck aus kräftigem Rundholz, dessen Querstange in einem Flaschenzug hängend in der Mitte eine kleine Lochscheibe in einer Klammer hielt. Diese Lochscheibe galt es aus dem Galopp heraus mit einem pistolengroßen eisernen Haken aus der Klammer zu ziehen. Jeder Reiter gab sein Bestes und ritt durch eine begeisterte Zuschauergasse auf das Stangenviereck zu. Man geizte weder mit Anfeuerungsrufen noch mit spöttischen oder gar hämischen Bemerkungen. Anlässe hierfür gab es genügend, sei es, dass ein schwerer Ackergaul, bislang im Umgang mit dem Pflug und schwerem Wagen gewöhnt, jetzt für ihn ohne ersichtlichen Grund in einen, wenn auch kurzen, Galopp verfallen sollte. Nach einigen Überredungsmanövern besann sich manch ein Ackergaul eines Besseren, zeigte guten Willen und legte einen soliden nicht zu schnellen Galopp hin, unterstützt von vehementen, bei jedem Galoppsprung ausgestoßenem ³Fanfarentönenã. Dem Reiter war es peinlich, so einen tönenden Koloss zu reiten, aber alle hatten ihren Spaß daran.

Es kam auch vor, dass ein schnelleres Pferd aus Übermut oder Angst vor der Zuschauerkulisse losgaloppierte, ohne sich um den Reiter zu scheren und dieser dachte nur daran, oben zu bleiben, wusste er doch, dass unfreiwilliges Absitzen keineswegs als ehrenhaft angesehen wurde ö ³Sandreiterã wurde er dann tituliert. Zum Zeichen seiner Schmach erhielt auch noch beim nächsten Umzug ein Weißbrot an einer Schnur um den Hals gehängt und ritt als letzter im Zug.

Sieger (König) des Turniers war der Reiter mit den meisten Ringen. Er ritt als erster mit einer blau-weiß-roten Schärpe angetan hinter der Kapelle. Die Königin wurde über das Fischstechen ermittelt.

Mit den kommenden Jahren stiegen die Ansprüche an die Leistung der Pferde, was zu einer sichtbaren Auslese der Pferde führte. Ackerpferde blieben nunmehr dort, wo sie gebraucht wurden, auf dem Acker. Schöne, schlanke Reitpferde nahmen ihre Plätze ein und der Wettbewerb änderte sich: Weg vom Ringreiten für jedermann, hin zum Springturnier und für wenige hin zur Dressur. Die placierten Reiter erhielten jetzt Preise: Reiterausrüstungen, wertvolle Gebrauchsgegenstände, später Pokale. All das konnte man vor der Veranstaltung in dem Holzschuppen von Tischler Embke schön aufgebaut bestaunen.

Das Reit- und Fahrturnier hatte zwar die traditionelle Form des Ringreitens verdrängt, aber die Begeisterung und Anteilnahme der Bevölkerung blieben ungebrochen. Die Turniere fingen bald nach der Währungsreform an, richtig Geld zu kosten. Preise, Organisation und technische Musikübertragung ö eine Kapelle benötigte man jetzt nur noch für den Umzug ö wollten und mussten bezahlt sein. Und die Besucher mussten von nun an Eintrittsgeld berappen, viele kamen nach wie vor, aber für einige war der Eintrittspreis ein zu hohes Hindernis. Schade, war das Turnier doch auch ihr Fest, ein Dorffest